Ratgeber SSD-Festplatte kaufen
Programme und Spiele werden immer größer, mit steigender Wiedergabequalität betrifft dies auch Filme und Musik. Folglich müssen auch die in Rechnern und Notebooks verbauten Festplatten immer mehr leisten oder über externe Speichermedien ergänzt werden. Bei der Wahl Ihrer Festplatte sollten Sie SSDs bevorzugen, denn diese bestechen durch ihre schnelle Lese- und Schreibgeschwindigkeit. Erfahren Sie bei EURONICS, was SSD-Festplatten weiterhin auszeichnet, wofür sie sich besonders eignen und wie Sie das perfekte Speichermedium für Ihren PC oder Laptop auswählen.
Inhaltsverzeichnis
Das sollten Sie wissen:
Was ist eine SSD-Festplatte und wie funktioniert sie?
Bei einer SSD-Festplatte (Solid State Drive) handelt es sich um ein Festkörper- bzw. Halbleiterlaufwerk. Anders als ein herkömmlicher magnetischer Speicher (Hard Disk Drive, abgekürzt HDD) kommt dieses ohne bewegliche Teile aus – es existieren also keine Magnetscheiben mit Lesekopf. Stattdessen wird bei SSDs eine spezielle Flash-Speichertechnologie eingesetzt, ähnlich der, die auch bei USB-Speichersticks seit Jahren Verwendung findet.
Eine SSD-Festplatte funktioniert, indem sie die Daten in Milliarden Speicherchips ablegt, welche je nach Ausführung eine verschieden hohe Anzahl an Datenbits speichern können. Möchten Sie diese abrufen, werden die Speicherzellen rein elektronisch angesteuert und ausgelesen. Da alle Chips simultan mit Energie versorgt werden können, geschieht dies weitaus schneller als über einen sogenannten „Aktuatorarm“, der sich bei HDD-Festplatten über eine drehende Magnetscheibe bewegt.
SSD-Speicher nutzen vier verschiedene Arten von Speicherzellen: Single-, Multi-, Triple- und Quadruple-Level Cells. Diese erfassen jeweils ein, zwei, drei oder vier Bits und somit das Doppelte an Zuständen (0 und 1). Je mehr Daten in einer Zelle erfasst werden, umso mehr Speicherplatz bietet die SSD-Festplatte auf demselben physischen Raum. Zudem sind „größere“ Chips weniger kostspielig, Quadruple-Level Cells sind also am günstigsten, Single-Level Cells die teuerste Variante. Jedoch nimmt mit steigendem Zellenvolumen die Schreibgeschwindigkeit sowie die Haltbarkeit der Festplatte ab. Dies liegt daran, dass Zellen, die viele Zustände erfassen, weniger präzise angesteuert werden können und auch öfter umgeschrieben werden.
Interne SSD-Festplatte (links) und externe SSD-Festplatte (rechts)
Die Vor- und Nachteile einer SSD-Festplatte
SSD-Festplatten bieten verschiedene Vorteile gegenüber herkömmlichen HDD-Speichern.
- hohe Übertragungsraten, da alle Flash-Zellen gleichzeitig angesteuert werden können, System fährt schneller hoch, Programme werden schneller geladen
- robust, da keine beweglichen Teile vorhanden: resistent gegen Erschütterungen, Vibrationen und Temperatur
- arbeiten nahezu geräuschlos
- produzieren kaum Wärme
- deutlich geringeres Risiko für mechanisches Versagen
- sehr stromsparend: ideal für mobile Geräte wie Tablets und Notebooks
Ihre Nachteile halten sich in Grenzen
- höherer Preis
- begrenzte Zahl von Schreibzyklen, die aber immer für eine vergleichsweise hohe Lebensdauer sorgen [SPRUNGMARKE zu Wie lange halten SSD-Festplatten]
- HDDs sind mit größeren Kapazitäten erhältlich
Welche Arten von SSD-Festplatten existieren?
Am einfachsten lassen sich SSD-Festplatten nach Art ihres Anschlusses klassifizieren, daneben auch über den Formfaktor.
SATA-Schnittstelle, Breite 2,5 Zoll
Am weitesten verbreitet lassen sich diese problemlos in fast alle gängigen Laptops oder PCs verbauen.
mSATA
Für mobile und besonders flache Geräte wie Ultrabooks oder Tablets bieten sich sogenannte mSATA-SSDs an, denn diese sind noch einmal kleiner und vor allem schmaler.
M.2- und PCIe-Anschluss (PCI Express)
Diese SSDs sind nur etwa 22 Millimeter breit und 30 bis 80 Millimeter lang (bei PCIe immer 80 Millimeter) und ähneln in ihrem Erscheinungsbild mehr einem RAM-Riegel für den Arbeitsspeicher. M.2- und PCIe-Festplatten nutzen eine weitaus schnellere Schnittstelle, was ihre Leistung hinsichtlich Lese- und Schreibgeschwindigkeit noch einmal zusätzlich erhöht. Bei PCIe-SSDs hängt diese von den verfügbaren Lanes sowie dem verwendeten Standard ab. Zur Nutzung muss jedoch ein verfügbarer Port auf dem Motherboard Ihres Computers vorhanden sein. Dafür benötigen M.2- und PCIe-Festplatten kein Daten- und Stromkabel.
Welche Speichergröße sollte meine SSD-Festplatte aufweisen?
Die Größe jedes Speichers ist immer davon abhängig, wofür Sie Ihren Rechner oder Laptop verwenden.
Office-Nutzer
Dem Durchschnittsnutzer, der überwiegend Office-Anwendungen abruft, reicht in der Regel eine SSD-Festplatte mit 250 Gigabyte Kapazität. Auf dieser finden das Betriebssystem (bei Windows 10 sollten 32 GB freigehalten werden) sowie alle notwendigen Programme problemlos Platz. Hinzu kommt, dass Text- und Tabellendokumente ohnehin nicht viel Speicher beanspruchen. Auch, wenn Sie „nur“ eine umfangreiche Medienbibliothek aus Fotos, Musik und Videos besitzen, müssen Sie sich nicht für eine enorm große SSD-Festplatte entscheiden. Hier ist es ratsamer, einen kleineren Flashspeicher für Betriebssystem und notwendige Programme zu kaufen und die Medien auf einer größeren, günstigeren HDD-Festplatte zu lagern. Bilder und Filme profitieren nicht von den schnellen Schreibgeschwindigkeiten, sofern Sie die Dateien nicht des Öfteren verschieben müssen. Das Gleiche gilt für Spiele, die kein ständiges Nachladen erfordern.
Power-Nutzer
Anders sieht es selbstverständlich aus, wenn Sie oft komplexere Programme – insbesondere zur Bild- und Videobearbeitung – verwenden. In diesem Fall ist es ratsam, auf dem schnelleren Laufwerk mehr Spielraum zu haben, damit Lade- und Prozesszeiten beim Editieren, Programmieren oder anderen Dingen verkürzt werden. Hier sollte der Kauf einer SSD-Festplatte mit nur 250 GB bereits gut überlegt sein, besser sind 500 GB. Je nachdem, wie umfangreich Ihre Projekte ausfallen, werden Sie jedoch auch dann selten auf einen zusätzlichen (eventuell auch externen) Speicher verzichten können.
Gamer
Am anspruchsvollsten im Hinblick auf den Speicherplatz sind Gaming-PCs. Gerade, wenn Sie viele aktuelle Spiele zeitgleich installieren möchten, benötigen Sie hohe Kapazitäten auf der SSD-Festplatte. Als Richtgröße sind Sie hier mit einem Terabyte Speicher gut beraten. Legen Sie hohen Wert auf ein flüssiges Spieleerlebnis, so sollten Sie gerade „ladeintensive“ Spiele nicht auf einer HDD-Festplatte installieren, da die geringeren Lesegeschwindigkeiten Verzögerungen bedingen können.
Welche Lese- und Schreibgeschwindigkeiten benötigt meine SSD-Festplatte?
Bei der Datenrate gilt natürlich: Je höher, desto besser. Besonders hohe Raten benötigen Sie, wenn Sie große Datenmengen installieren oder verschieben möchten, etwa hochwertige Games oder HD-Videos. Auch für Up- oder Downloads ist die Lese- und Schreibgeschwindigkeit wichtig. Die beste Internetleitung mit der höchsten Downloadrate nützt Ihnen nichts, wenn Ihre Festplatte beim Schreiben der Daten nicht hinterherkommt.
SATA-SSDs der dritten Generation bieten in der Regel eine Datenrate von 500 bis 600 Megabyte pro Sekunde. Mehr lässt sich über den Anschluss nach heutigem Stand der Technik nicht realisieren. M.2-SSD-Festplatten leisten hingegen eine Übertragungsrate von mehr als einem Gigabyte pro Sekunde, da sie direkt mit dem Mainboard verbunden sind. PCI Express ist noch einmal schneller. Während über PCIe 2.0 x2 mit zwei Lanes ähnliche Lese- und Schreibgeschwindigkeiten erreicht werden wie bei M.2, verarbeiten PCIe 2.0 x4-Festplatten mit vier Lanes die doppelte Datenmenge pro Sekunde. PCIe 3.0 x4 erreicht sogar Übertragungsraten von 3 Gigabyte und mehr.
SSD-PCIe Gen 3 mit mehr als 3 GB/s Übertragungsrate
Wie lange halten SSD-Festplatten?
Die Haltbarkeit von SSD-Festplatten wird vermehrt diskutiert und die Ergebnisse unterscheiden sich zum Teil enorm. Oftmals wird erwähnt, dass SSDs schnell den Dienst versagen können, da sie, anders als magnetische Festplatten, je nach Anzahl der Schreibvorgänge verschleißen. Letztere Annahme ist zwar korrekt, jedoch bedeutet dies nicht, dass die Flash-Speicher frühzeitig kaputtgehen. Es ist sogar wahrscheinlich, dass sie länger ihren Dienst tun als HDD-Festplatten, deren Mechanik deutlich störanfälliger ist.
Als Schätzwert für die Lebensdauer eines SSD-Laufwerks geben Hersteller den Wert TBW an, die Abkürzung steht für „TeraBytes Written“. Der Wert bezieht sich dabei auf die Garantiezeit und beschreibt die Datenmenge, die mindestens auf den Speicher geschrieben werden kann bzw. könnte, bevor er den Dienst versagt. Als Rechenbeispiel soll eine SSD mit einem Terabyte Speicher dienen. Die Garantiezeit für diese beträgt drei Jahre, der TBW-Wert liegt bei 360. Um den Speicher also in drei Jahren zu verschleißen, müssten Sie jeden Tag etwas mehr als 300 Gigabyte Daten auf Ihre Festplatte schreiben. Dies übersteigt die übliche tägliche Schreiblast bei weitem – der Durchschnitt liegt bei rund 10 bis 40 GB täglich. Folglich würde die SSD-Festplatte bei einem Mittelwert von 25 GB am Tag grob geschätzt zwölfmal länger halten als die angegebenen drei Jahre.
Hinzu kommt, dass der TBW-Wert in der Regel sehr niedrig angesetzt wird. Diverse Tests an SSD-Festplatten zeigten bereits, dass selbst günstige Modelle das Zwei- oder Dreifache des angegebenen Datenvolumens bewältigen, bevor sie ausfallen. Hochwertige SSDs können den TBW-Wert sogar problemlos um das 10- bis 20-fache überschreiten – somit könnten die Speicherzellen zumindest theoretisch Jahrhunderte halten. Selbstverständlich wird hierbei der Materialverschleiß der restlichen Festplatte nicht berücksichtigt.
Welche Extras bieten SSD-Festplatten?
Neben ihrer eigentlichen Funktion als Speicher und der hohen Leistungsfähigkeit im Vergleich zu HDD-Laufwerken verfügen einige SSD-Festplatten auch über diverse Zusatzfunktionen. So können Sie viele Speicher zum Beispiel hardware-seitig verschlüsseln und somit vor Datendiebstahl schützen. Dies hat verschiedene Vorteile. Zum einen müssen Sie sich für die Verschlüsselung keine zusätzliche Software herunterladen, Ihr Rechner muss lediglich ein Advanced-Technology-Adapter-Password unterstützen. Zum anderen geht die Verschlüsselung auch bedeutend schneller vonstatten. Zudem können Sie die Festplatte an jedem anderen Rechner wieder ohne Software entschlüsseln – vorausgesetzt, dieser unterstützt ebenfalls ein ATA-Passwort.
So finden Sie die richtige SSD-Festplatte
Bei der Wahl der passenden SSD-Festplatte ist es entscheidend, wofür Sie Ihren PC oder Laptop primär verwenden. Verschiedene Nutzerprofile stellen schließlich unterschiedliche Ansprüche an Kapazität, Lese- und Schreibgeschwindigkeit sowie mögliche Zusatzfunktionen. Fällt der Speicher zu klein aus oder ist die Übertragungsrate zu langsam, hat dies beträchtliche Folgen für den Bedienkomfort – notfalls müssen Sie zusätzlich nachrüsten oder eine neue Festplatte kaufen. Andersherum sollten Sie selbstverständlich keinen hochwertigen und dementsprechend kostspieligeren Speicher kaufen, wenn Sie nicht oder nur geringfügig von ihm profitieren.
Eine SSD für Betriebssystem und häufig verwendete Programme ist in jedem Fall ratsam, jedoch müssen es Nutzer von Office-Anwendungen nicht mit Kapazität und Schreibgeschwindigkeiten übertreiben. Dokumente und Tabellen nehmen wenig Platz ein und lassen sich in jedem Fall schnell öffnen und speichern. Verwenden Sie hingegen oft Software zum Programmieren oder zur Bild- bzw. Videobearbeitung, sollte Ihre SSD-Festplatte höhere Kapazitäten bieten sowie schneller schreiben und lesen. Besondere Anforderungen stellen Gaming-Rechner, da hochwertige Spiele besonders viel Speicherplatz in Anspruch nehmen, oftmals im mittleren zweistelligen Gigabyte-Bereich pro Game.
Office-Anwendungen:
- Anschluss und Übertragung: SATA (500 MB/s)
- Kapazität: 250 GB – 500 GB
- Extras: Verschlüsselung ratsam (besonders bei Laptops)
Bild- und Videobearbeitung:
- Anschluss und Übertragung: SATA (500 MB/s), M.2 oder PCIe (ca. 1.000 MB/s)
- Kapazität: 500 GB – 1 TB
- Extras: keine
Gaming:
- Anschluss und Übertragung: PCIe (≥ 1.000 MB/s)
- Kapazität: ≥ 1 TB
- Extras: evt. RGB-Beleuchtung
Häufig gestellte Fragen
Macht eine SSD-Festplatte meinen Rechner wirklich schneller?
Durch eine SSD-Festplatte arbeitet Ihr PC oder Laptop tatsächlich schneller, auch ohne Anpassung von Prozessor, Arbeitsspeicher und anderen Hardware-Komponenten. Dies liegt daran, dass Daten von Programmen effektiver ausgelesen werden können. Das beginnt bereits beim Betriebssystem: Ist dieses auf einer SSD installiert, fährt Ihr Rechner schneller hoch. Auch andere Software und Befehle werden schneller aufgerufen bzw. ausgeführt.
Interne oder externe SSD-Festplatte?
In der Regel entfaltet eine SSD-Festplatte ihr volles Potenzial erst, wenn Ihr Betriebssystem darauf läuft. Hierfür benötigen Sie selbstverständlich eine interne SSD. Doch auch in der externen Ausführung bieten die Speicher viele Vorteile. Zum einen ermöglichen Sie auch hier einen schnellen Datenaustausch und -abruf. Große Datenmengen (Filme, Fotoalben) lassen sich schnell auf sie verschieben und extern ausgelagerte Programme schnell ausführen. Zudem sind externe SSDs vor allem für Laptop-Nutzer von Vorteil, da ihr geringer Stromverbrauch im mobilen Betrieb den Akku des Notebooks deutlich weniger belastet.
Wie lassen sich von einer SSD-Festplatte Daten retten?
Aus Mangel an beweglichen Teilen und der Unabhängigkeit von der Versorgungsspannung lässt sich mechanisches Versagen bei einer SSD-Festplatte nahezu ausschließen. Logische Fehler, Schadsoftware oder Bedienfehler können trotzdem zu einem Datenverlust führen. Eine Datenrettung ist dennoch möglich, gestaltet sich aufgrund der Beschaffenheit des Speichers und seiner Zellen jedoch deutlich schwieriger – und teurer – als bei einer einfachen HDD-Festplatte. Meist ist die Wiederherstellung von Daten nur über eigens dafür entwickelte Soft- und Hardware von spezialisierten Unternehmen realisierbar.
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