„Die beste Kamera ist immer die, die man dabei hat“, lautet eine alte Fotografenweisheit. (Foto: Sony) Sony Xperia Z5

Wie gut kann eine Smartphone-Kamera eigentlich sein?

Man kann mit einem Smartphone anständige Fotos schießen. So, jetzt ist es raus. So mancher Hobby- und Berufs-Fotograf wird da vielleicht erst einmal zusammenzucken. Aber es stimmt. Genauso wahr ist: Es gibt selbstverständlich Grenzen des Machbaren. Das liegt oftmals an jenen unpraktischen Gesetzen der Physik, von denen man immer mal wieder hört. Sehr ärgerlich, aber für uns Sterbliche leider nicht zu ändern.

Schaut man sich die Demofotos der Hersteller an, sehen die oftmals atemberaubend gut aus. Aber das liegt eben daran, dass hier ein Profi am Werk war, der genau weiß, wann eine Smartphone-Kamera ausgezeichnete Bilder macht und wann eher nicht. Er sucht Motive und Randbedingungen ganz gezielt aus, um das Maximum herauszuholen. Das Gute: Das gibt Hoffnung für die eigenen Aufnahmen.

Als erstes muss man dazu wissen: Welche Faktoren spielen eine Rolle, wenn es um die Qualität einer Kamera geht?

Historische Objektive von Carl Zeiss aus dem Jahr 1910. Technisch gesehen funktionieren moderne Objektive in Smartphones noch immer nach dem selben Prinzip. (Foto: Dnalor_01, Wikimedia Commons. Lizenz: CC BY-SA 3.0) Historische Objektive von Carl Zeiss

Das Objektiv

Hier tritt das Licht ein und wird in Richtung Sensor gelenkt. Ein gutes Objektiv lässt viel Licht durch und liefert zugleich ein scharfes und unverzerrtes Bild. Ein schlechtes… macht das Gegenteil. Inzwischen wird von den Herstellern bisweilen die Lichtstärke angegeben, bspw. mit einer Angabe wie „f/2.0“. Vereinfacht gesagt: je kleiner dieser Wert, desto besser. Wie gut das Objektiv insgesamt ist, können aber im Wesentlichen nur Tests zeigen.

Das Objektiv bestimmt außerdem den Bildausschnitt mit seiner „Brennweite“, angegeben in mm. Ist die verstellbar, spricht man von einem „Zoom“. Das aber ist in Smartphones bislang kaum zu finden. Der Grund: Ein Zoom braucht nach heutigem Stand der Technik zu viel Platz, während Smartphones zugleich von Generation zu Generation dünner werden.

In der Regel findet sich in Smartphones ein Weitwinkel, weil man damit einen großen Bildausschnitt bekommt und das für viele Gelegenheiten praktisch ist. Gruppenfotos beispielsweise profitieren davon.

Der Sensor

Hier wird das Licht aufgenommen, das durchs Objektiv gegangen ist. Oftmals wird mit der Zahl der lichtempfindlichen Pixel geworben, die sich darauf befinden. Die aber sagt erst einmal nicht viel aus. Zwar ist eine höhere Zahl für so manche Anwendung praktisch. Man hat dann beispielsweise theoretisch mehr Spielraum für Vergrößerungen oder um den Bildausschnitt im Nachhinein zu verändern. Wenn sich viele Pixel auf engstem Raum drängeln, bringt das aber wiederum ebenfalls Nachteile mit sich. So leidet darunter beispielsweise die Lichtempfindlichkeit. Und das Bild kann sogar unschärfer werden. „Viele Megapixel“ bedeutet also nicht automatisch „tolle Fotos“. Es bedeutet erst einmal nur „viele Megapixel“.

Deshalb wird neuerdings vermehrt mit der Größe des Sensors geworben. Hier gilt ganz grob gesagt: je größer, desto besser. Bei Smartphones gibt es allerdings schon aus physikalischen Gründen gewisse Grenzen: Je größer der Sensor, desto größer wird in der Regel auch das Objektiv. Deshalb haben moderne Geräte oftmals Auswölbungen oder leicht hervorstehende Objektive als Kompromiss.

Natürlich gibt es auch allerlei Tricks und Kniffe, um trotz eines großen Sensors die Optik kompakt zu halten. Aber die sind aufwändig, teuer und alles in allem nicht gerade simpel.

In Smartphones muss alles extrem miniaturisiert werden. Hier das Kameramodul eines Samsung Galaxy S6. (Foto: Samsung) Kameramodul eines Samsung Galaxy S6

Der Bildprozessor

Das Licht ist durchs Objektiv auf den Sensor getroffen – aber damit haben wir noch kein fertiges Foto. Das entsteht erst im nächsten Schritt in einer Kombination aus einem spezialisierten Chip plus Software. Der Bildprozessor nimmt die Rohdaten aus dem Sensor und generiert daraus im Fall von Smartphone-Kameras das Foto im Format JPG. Bei manchen Smartphones und hochwertigen Kameras kann man als Nutzer auch selbst die Rohdaten als Bild im „RAW“-Format bekommen. Das kann man in einer entsprechenden Software wie Adobes Lightroom öffnen, bearbeiten und letztlich exportieren.

Im Bildprozessor jedenfalls kann ein smarter Hersteller viel herausholen und bspw. auf bekannte Schwächen von Objektiv und Sensor reagieren. Fehler werden dann automatisch ausgebügelt. Generell werden hier Dinge wie die Farbwiedergabe oder auch der Kontrast geregelt – beides sehr entscheidend dafür, wie gut das Foto am Ende aussieht.

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Die Foto-App

Die eigentliche Foto-App ist ebenfalls ein enorm wichtiges Element. Sie bestimmt schließlich mit, wie schnell ein Smartphone für einen Schnappschuss bereit steht. Sie kann auch die Entscheidung darüber treffen, wie das vorliegende Motiv belichtet werden sollte. Und sie bietet dem Nutzer manuelle Eingriffsmöglichkeiten an – oder eben nicht.

Wem die mitgelieferte Kamera-App nicht gefällt, findet in den App Stores reiche Auswahl an Alternativen.

Eine Stärke von Kamera-Smartphones: Bilder aufnehmen, sofort bearbeiten und online veröffentlichen. (Foto: Samsung) Samsung Galaxy S6 Edge

Was Smartphones gut können

  • Simpel, aber wichtig: Das Smartphone haben wir oftmals sowieso in der Tasche. Fotografische Binsenweisheit: Die beste Kamera, ist immer die, die man dabei hat.

  • Bei Tageslicht machen die meisten Smartphone-Kameras heutzutage gute Bilder. Manche liefern gar Ergebnisse, die sich hinter klassischen Kameras nicht zu verstecken brauchen.

  • Fotos sind heute meistens auf Displays zu sehen – am Computer, auf dem Tablet, auf einem anderen Smartphone. Für diese Zwecke sind Auflösung und Schärfe sowieso sehr häufig gut genug.

  • Gruppen- und Landschaftsfotos, denn die Hersteller setzen wie oben bereits erwähnt meistens auf ein Weitwinkel-Objektiv, bei dem man besonders „viel aufs Bild bekommt“.

  • Apps und ständige Verbindung ins Web! Herkömmliche Fotoapparate hinken hier weiter hinterher. Auf einem Smartphone kann ich ein Bild nicht nur schießen, sondern danach (in einfacher Form) bearbeiten und zum Social Network meiner Wahl hochladen. Nur wenige Hersteller wie beispielsweise Samsung experimentieren damit, klassische Kameras und Smartphones miteinander zu vereinen.

  • Rechenpower. Smartphones sind heute bekanntlich Hosentaschen-Computer und das nutzen die Hersteller für Funktionen, bei denen klassische Kameras nicht mithalten können. In Windeseile werden da beispielsweise Serienbilder geschossen. Man kann Kugelpanoramen aufnehmen. Und viele Beispiele mehr.

Wo Smartphones schwächeln

  • „Schwierige Lichtverhältnisse“ beginnen je nach Smartphone schon, sobald man keinen strahlenden Sonnenschein mehr zur Verfügung hat. Hier gibt es weiterhin große Qualitätsunterschiede. An den technischen Daten kann man das nur beschränkt ablesen, hier sollte man idealerweise Testberichte lesen und sich konkrete Beispielfotos anschauen.

  • Alles, wozu man etwas anderes als ein Weitwinkel-Objektiv benutzen würde. Ob nun Portraits, Tierfotos, Architektur und viele andere Beispiele: Man ist bei Smartphones in seiner Kreativität in der Regel auf einen Bildausschnitt eingeschränkt. Den kann man zwar hinterher noch verändern, aber bestimmte Bildeffekte eines Zooms oder Tele lassen sich damit nicht nachahmen.

  • Akkulaufzeit. Digitalkameras brauchen zwar häufiger frischen Strom als früher die analogen Apparate. Aber sie halten trotzdem in der Regel länger durch als ein Smartphone im Dauerbetrieb. Hier zeigt sich eben, dass der Verzicht auf „smarte“ Features und eine Mobilfunkverbindung durchaus seine Vorteile hat. Wer will, verbindet Kamera und Smartphone via WLAN miteinander und hat so das Beste beider Welten.

Fazit

Es gilt die alte Weisheit: Es kommt drauf an, was man draus macht. Es ist aus meiner persönlichen Sicht jedenfalls Unsinn zu behaupten, eine klassische Kamera sei auf jeden Fall besser als eine Smartphone-Kamera. Ebenso halte ich es für reines Marketinggeklingel, wenn man Smartphones-Kameras auf ein Level mit Spiegelreflex-Kameras stellt. Wie hoffentlich deutlich geworden ist: Smartphones können manche Dinge gut und haben sogar einige Spezialitäten, bei denen selbst teure Kameras nicht mithalten können. Zugleich haben sie technische Grenzen, die man beim Fotografieren im Hinterkopf haben muss.