Hilfe bei der Auswahl: Durchblick im Smartphone-Dschungel

Nur weil ein Smartphone alle Konkurrenten schlägt, ist es deshalb noch lange nicht die beste Entscheidung für jeden. Dieser Artikel fasst einige der wesentlichen Kriterien zusammen und erklärt, worauf man beim Kauf achten sollte.

Wer über den Kauf einer Smartwatch nachdenkt, sollte dabei auch das Betriebssystem seines Smartphones im Auge haben. (Foto: Sony) Sony Xperia Z3 Plus

Betriebssysteme: Ist Android besser als das iPhone?

Wie in der Marktübersicht bereits beschrieben: Derzeit gibt es im Wesentlichen zwei Betriebssysteme, die bei Smartphones eine Rolle spielen. Beide haben spezifische Stärken und Schwächen. Nicht zuletzt kommt es darauf an, welche weiteren Geräte man hat, welche Apps man nutzen will und ob man beispielsweise gern eine Smartwatch hätte. 

Androids Stärken liegen in der enorm großen Auswahl und seiner Flexibilität. Der Markt ist prallvoll mit ganz hervorragenden Android-Smartphones, die leistungsfähig sind, tolle Features mitbringen und dabei zugleich nicht die Welt kosten müssen. Wer will, kann Android zudem ganz dem eigenen Geschmack gemäß anpassen. Welchen Browser man nutzen möchte, welche App für Fotos, welche Tastatur, wie der Home-Bildschirm aussieht etc.: Alles das lässt sich stärker anpassen als beispielsweise beim iPhone. Nicht zuletzt wird man viele Angebote im Einsteigerbereich finden, den Apple überhaupt nicht bedient.

Mit großem Abstand die meisten Smartphones auf dem Markt setzen auf Android. Deshalb ist auch die App-Auswahl groß. Und wer auf eine Smartwatch schielt, findet ebenfalls ein stark wachsendes Angebot mit Android Wear und anderen kompatiblen Systemen vor.

Das iPhone wiederum ist ein Produkt aus einem Guss. Hardware, Software und die Dienste kommen vom gleichen Unternehmen und man merkt oft, dass die Teams tatsächlich zusammenarbeiten. So kommt es dann, dass Apple Pay durch den „Touch-ID“-Fingerabdrucksensor komfortabel wird. Oder der Chip im Inneren ist darauf angepasst, neue Funktionen der Kamera zu ermöglichen. Die Liste ließe sich fortsetzen. Das iPhone gewinnt dabei nicht den Vergleich der nackten technischen Daten. Das liegt aber auch daran, dass iOS sparsamer mit seinen Ressourcen umgeht als Android.

Natürlich arbeitet das iPhone dazu noch hervorragend mit anderen Apple-Geräten zusammen. Wer also außerdem ein MacBook oder iPad hat, wird das schnell merken. Zudem hat Apple mit den letzten Versionen verstärkt daran gearbeitet, dass es flexibler und anpassbarer wird. Ganz so radikal wie Android wird es aber nie werden. Das passt einfach nicht zu Apples Philosophie.

Die Apple Watch benötigt zwingend ein iPhone. Andere Smartwatches wie die Pebble oder Geräte mit Android Wear arbeiten zwar ebenfalls mit dem iPhone zusammen, allerdings bei Weitem nicht so tief integriert.

Microsoft bleibt in Lauerstellung, was mobile Systeme anbelangt. Das Engagement um das lange Zeit unterstützte Windows Phone hat Redmond zwar mittlerweile heruntergefahren, der Marktanteil ist unter 1% gesunken und viele Apps werden nicht mehr unterstützt. Offiziell gab es von Microsoft aber noch keine Abkehr von mobilen Aktivitäten. Und der Plan, eine geräteübergreifende Windows-Plattform zu schaffen lebt nach wie vor. Derzeit sei allerdings niemandem dazu geraten, ein Smartphone mit Windows-Betriebssystem zu kaufen. Dazu ist das Schicksal des Systems zu ungewiss, und nicht zuletzt ist nicht mit einer lebendigen App-Auswahl zu rechnen.

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Natürlich setzen die Hersteller ihre High-End-Geräte besonders gekonnt in Szene. Aber auch kleinere Modelle können überzeugen. (Foto: Samsung) Samsung Galaxy S6 Edge

Preis: Wie viel muss ich für ein Smartphone ausgeben?

Noch vor ein paar Jahren hätte man auf diese Frage beispielsweise geantwortet: Kauf dir nur dann ein billiges Smartphone, wenn du im Grunde gar keines willst. Inzwischen sieht die Situation sehr anders aus.

Smartphones haben einen enormen technischen Fortschritt hinter sich. Inzwischen sind sie an einem Punkt angekommen, an dem es schwer fällt, sich wichtige neue Features auszudenken. Viele offensichtliche Schwächen sind inzwischen behoben: Die Prozessoren sind so schnell, dass mobile Spiele inzwischen richtig klasse aussehen können. Die Kameras sind so gut, dass sie den Kompakten ernsthafte Konkurrenz machen. Die Drahtlosverbindungen per Wi-Fi oder Mobilfunk sind zumindest auf dem Papier so schnell, dass eine weitere Beschleunigung kaum noch Sinn ergibt. Einzig die Akkulaufzeit war die letzten Jahre immer ein nerviger Punkt. Aber inzwischen wird auch das besser.

Insofern: Man kann heute auch guten Gewissens ein Einsteiger-Smartphone für den intensiven, täglichen Gebrauch empfehlen. Natürlich müssen die Hersteller an der einen oder anderen Stelle sparen. Man bekommt nicht den neuesten Prozessor, nicht den neuesten Kamera-Sensor und sehr oft wird bei der Speichergröße gespart. Aber nicht jeder braucht jedes High-End-Feature. Und so mancher Fortschritt ist in der Praxis kleiner als er in einem Datenblatt aussieht (beispielsweise beim Megapixel-Wettlauf).

Wer mehr Geld ausgibt, bekommt in der Regel mehr Performance, eine bessere Kamera, eine bessere Verarbeitung mit schöneren Materialien und Features wie einen Fingerabdrucksensor. Ob solche Dinge den Aufpreis wert sind, ist inzwischen eine rein individuelle Entscheidung.

Vorsicht nur vor all zu verlockenden Angeboten: Bei Preisen unter 100 Euro für ein Smartphone fehlt oft etwas Entscheidendes. In der Spur zwischen 200 und 300 Euro fährt man für gewöhnlich deutlich sicherer und langlebiger.

Das Lumia 950XL ist ein Beispiel für ein aktuelles Smartphone mit großem Bildschirm. (Foto: Microsoft) Microsoft Lumia 950XL

Größe: Es kommt nicht nur auf die inneren Werte an...

Die Display-Diagonale ist inzwischen ein weiteres wichtiges Entscheidungskriterium beim Smartphone-Kauf geworden. Es hat direkte praktische Bedeutung, sich für ein größeres Modell zu entscheiden: Fotos und Videos sehen besser aus, es gibt mehr Platz in Listen wie dem Messenger oder auf Websites und auch das Lesen ist angenehmer. Im Gegenzug ist das Gerät natürlich weniger handlich. Es lässt sich nicht mehr so ohne Weiteres mit einer Hand bedienen und findet nicht mehr so leicht und locker in einer Hosentasche Platz.

Darüber hinaus setzen viele Hersteller bislang allerdings auf eine weitere Logik: größeres Display = teureres Smartphone. Es gibt wie immer Ausnahmen, aber viele arbeiten nach diesem System. Insofern bekommt man ein großes Gerät, auch wenn es einem nur um die bessere Performance oder die bessere Kamera geht.

Es gibt auch preisgünstige Geräte mit großem Display. Hier wird dann aber beispielsweise an der Auflösung gespart.

Nur gelegentlich gibt es hingegen Smartphones, die kompakt sind und zugleich die neueste Hardware mitbringen.

Für manche Features wie Virtual Reality braucht man tatsächlich das Maximum an Performance. (Foto: Samsung) Samsung Gear VR

Funktionen und Performance: Was kann das?

Wie weiter oben bereits erwähnt: Selbst preisgünstige aktuelle Smartphones bringen im Grunde alles mit, was man sich so wünschen kann. Aber die Hersteller kommen natürlich immer mal wieder mit neuen Ideen um die Ecke. Insofern lohnt es sich doch, einen genaueren Blick auf die Eckdaten und Features zu werfen.

Spiele sind beispielsweise ein großes Thema. Und je nachdem, welches Genre man hier bevorzugt, macht sich die Leistung von Prozessor und Grafikeinheit natürlich bemerkbar. Und das ist eine der wenigen Stellen, an denen das bei der täglichen Nutzung eines Smartphones heutzutage tatsächlich eine Rolle spielt. Bei vielen anderen Aufgaben ist es hingegen wichtiger, dass der Arbeitsspeicher (RAM) großzügig bemessen ist. Dann kann das Smartphone nämlich einfacher mehrere Apps gleichzeitig bereithalten.

Der Festspeicher ist ein weiteres wichtiges Kriterium. Viel Platz brauchen vor allem Spiele-Apps, Fotos, Videos, offline gespeicherte Musik-Playlist – aber auch das Betriebssystem selbst. Moderne Versionen von Android und iOS fressen nicht selten an die 10 GB allein für Systemdaten! Ein Gerätespeicher von 16 GB ist dann sehr schnell voll und eine Erweiterung per Speicherkarte bringt nicht den gleichen Komfort. Besser, man investiert gleich ein paar Euro mehr in ein Smartphone mit mehr Speicher. 

Neue Funktionen wie ein Fingerabdrucksensor können auf den ersten Blick hingegen überflüssig scheinen. Und tatsächlich kommt es sehr darauf an, wie gut sie eingebunden sind. Apple führt das beim iPhone sehr gut vor: Zunächst war es nur für die Bequemlichkeit da, um das Gerät einfach zu entsperren. Inzwischen aber kann man sich auch innerhalb von Apps darüber identifizieren, anstatt ein Passwort einzugeben. Und natürlich greift auch Apple Pay darauf zurück. Ähnlich gilt das für „3D Touch“ beim iPhone, wo man mit per Druck aufs Display Funktionen auslösen kann. Nur wenn Betriebssystem und Apps das neue Feature tatsächlich durchgehend und sinnvoll einsetzen, macht es sich am Ende bezahlt. Aber solche und andere Funktionen sind natürlich trotzdem nicht zwingend notwendig.

Der Griff zum Ladekabel unterwegs wird bei modernen Smartphones (meist) seltener. (Foto: Samsung) Samsung Galaxy S6 Edge

Akkulaufzeit: Der bange Blick auf den Batteriebalken

„Generation Ladekabel“ sagt man manchmal scherzhaft. Nicht viele haben sich in den letzten Jahren einen externen Zusatzakku angeschafft, um auch an langen Tagen Smartphone und Tablet nutzen zu können.

Die Hersteller haben sich lange einen nur begrenzt sinnvollen Wettlauf um das dünnste Smartphone geliefert. Zugleich legten die Mobilgeräte bei der Performance spürbar zu und die Displays wuchsen und wuchsen. Diese Fortschritte gingen zu Lasten der Akkulaufzeit.

Es ist noch immer wichtig, das bei der Kaufentscheidung im Blick zu behalten. Allerdings haben die Hersteller selbst auch reagiert. Google hat beispielsweise Android sparsamer gemacht und fast jedes heutige Smartphone bringt eine eigene Stromspar-Lösung mit. Apple hat iOS weitere Stromsparfunktionen spendiert. Die Chips selbst gehen schonender mit den Ressourcen um. Die Akkus werden besser.

Natürlich sind wir weit von den alten Zeiten entfernt, in denen man sein Handy einmal die Woche aufgeladen hat. Da werden wir wohl auch nie wieder hinkommen. Aber einen Tag sollte ein Smartphone auch unter starker Belastung problemlos durchhalten. Und das findet man inzwischen durchaus.

Ansonsten bleibt natürlich der Griff zum externen Akku oder der Akku-Hülle.

Die Kameras in aktuellen Smartphones sind aufwändig konstruiert und oftmals erstaunlich gut. (Foto: Sony) Sony Xperia Z3 Plus

Kamera: Viel mehr als eine bloße Knipse

Apple bewirbt großflächig die Qualität der iPhone-Kameras. Es werden Werbespots oder sogar ganze Filme per Smartphone gedreht. Mit anderen Worten: Ja, die Kameras in Smartphones sind inzwischen so gut, dass sie in vielen Fällen beispielsweise eine Kompakte ersetzen können. In einem eigenen Special haben wir uns mit Kamera-Smartphones beschäftigt. Dort findet ihr auch Tipps für bessere Fotos.

Natürlich hat das alles seine technischen und physikalischen Grenzen. Die Objektive und Fotosensoren in Smartphones sind naturgemäß winzig und das grenzt die Qualität ein. „Schwierige Lichtverhältnisse“ fangen da manchmal schon an, sobald Wolken aufziehen. Zudem hat man in der Regel kein Zoom-Objektiv, kann also den Bildausschnitt nicht optisch verändern.

Trotzdem bleibt festzuhalten: Wer weiß, wie man schöne Fotos schießt, kann mit Smartphones erstaunlich gute Bilder machen. Und generell muss man natürlich im Hinterkopf behalten, wozu und wann die eingebaute Kamera zum Einsatz kommt. Man macht damit viele, viele Fotos, die man früher nie gemacht hätte. Sie sind fürs Social Web, für Messenger oder einfach als Erinnerung gedacht. Und dafür sind viele Smartphone-Kameras bestens geeignet. Und selbst, wer etwas höhere Ansprüche hat, wird bedient.

Immer interessanter werden Dualkameras in Smartphones. Die sollen für noch mehr Tiefe und Bokeh sorgen. Darüber hinaus lohnt sich für mehr Flexibilität aber noch immer der Griff zur „richtigen“ Kamera.

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