In der zweiten Generation hat Motorola die Modellpalette der Moto 360 deutlich erweitert. (Foto: Motorola) Motorola Moto 360 (2015)

Alles über Smartwatches!

Naja: fast alles. Eine ganze Menge jedenfalls: Was sie können. Welche es gibt. Was sie unterscheidet. Das alles findet ihr in diesem Beitrag. Denn über Auswahl können wir uns wahrlich nicht beklagen. Jetzt kommt es nur noch darauf an, das passende Modell für die eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu finden.

Aber was ist denn nun eine „Smartwatch“?

Bevor wir richtig einsteigen, treten wir kurz noch einen Schritt zurück. Was meine ich eigentlich, wenn ich „Smartwatch“ schreibe? Die Wikipedia hat da eine eher umfassende Definition, die selbst 20 oder 30 Jahre alte Uhren mit einbezieht. Ich fasse das enger: Eine Smartwatch bietet mir die Möglichkeit, Apps zu installieren.

 

Manche Smartwatches sind als zweites Display zum Smartphone gedacht. Sie stellen beispielsweise Benachrichtigungen dar. In diesem Fall sind sie vor allem ein Komfortgewinn: Ich kann auf meiner Armbanduhr sehen, warum mein Smartphone in der Hosentasche vibriert hat. Andere stellen weitere Funktionen zur Verfügung wie beispielsweise Pulsmessung. Und einige wenige dienen sogar als eine Art Zweithandy.

Smartwatch-Welten

Werfen wir einmal einen ersten Blick auf die vier wesentlichen Smartwatch-Welten:

  1. Pebble. Sie wird von vielen als der Grund angesehen, warum wir überhaupt (wieder) über Smartwatches reden. Sie wurde 2012 über ein Rekord-Kickstarterprojekt finanziert. Die Pebble punktet mit einem günstigen Einstiegspreis und einer deutlich längeren Akkulaufzeit: Sie wird in Tagen gemessen, nicht in Stunden. Wichtigster Grund dafür ist das Display: Es nutzt eine stromsparende Technik, wie man sie in ähnlicher Form auch von E-Readern wie Amazons Kindle kennt. Nachteil: Bunte Farben und Animationen sind nicht die Stärke des Screens. Es gibt inzwischen vier verschiedene Pebble-Modelle in diversen Varianten und ein kleines, aber feines Ökosystem für Apps.

  2. Android Wear. Google möchte seinen Erfolg bei Smartphones am liebsten an unseren Handgelenken wiederholen. Entsprechend setzen sie auf die gleiche Arbeitsteilung: Googles Ingenieure entwickeln das Betriebssystem, etliche Hardware-Partner bringen die eigentlichen Smartwatches heraus. Hier gibt es bereits enorm viel Auswahl. Die Preise bewegen sich aktuell vor allem zwischen 250 und 350 Euro. Aber da gibt es viel Bewegung nach unten und oben. Kurzum: Auswahl satt. 

  3. Apple Watch. Die Damen und Herren aus dem kalifornischen Cupertino haben ihren Wurf für die elektronische Armbanduhr bekanntlich 2015 auf den Markt gebracht. Sie arbeitet nur mit iPhones zusammen und macht vieles anders als andere Smartwatch-Hersteller. Dazu gehört die Preispalette, die erst bei 350 Euro anfängt und selbst bei 10.000 Euro noch nicht aufhört. Die drei Modellvarianten unterscheiden sich im Gehäusematerial: Aluminium, Edelstahl oder 18 Karat Gold. Sie lassen sich mit diversen Armbändern kombinieren. Design und Innereien aller Apple-Watch-Modelle sind aber identisch.

  4. Alle anderen. Es ist schwer einzuschätzen, ob sich neben der Pebble andere Smartwatches gegen Android Wear und Apple Watch durchsetzen können. Dabei kommt es vor allem auf eine Sache an: Wie wichtig ist den Kunden eine große Auswahl an Apps? Immerhin: Bekannte Namen wie Sony und Samsung haben Modelle im Angebot, die auf Eigenentwicklungen setzen. Passen deren Features zu den eigenen Bedürfnissen, sind sie natürlich einen Blick wert. Man sollte aber im Hinterkopf haben, dass Android Wear und Apple Watch bereits sehr große Smartphone-Ökosysteme haben.


Bei alldem konkurrieren diese Welten weniger miteinander als man zunächst denken könnte. In der Praxis kommt die Apple Watch beispielsweise nur für iPhone-Besitzer in Frage. Mit anderen Smartphones arbeitet sie nicht zusammen. Umgekehrt ist sie die einzige Smartwatch die so tief in das iOS-Ökosystem integriert ist. Apple gibt der Konkurrenz hier nur wenige Möglichkeiten, seinen Kunden etwas Vergleichbares anzubieten. Android Wear kann zwar inzwischen auch mit dem iPhone zusammenarbeiten, wird aber nie die enge Verzahnung erreichen können, die Apples eigene Smartwatch hat. Die Pebble wiederum hat im Vergleich zu nahezu alle Konkurrenten ein anderes Konzept. Vergleichen kann man insofern vor allem Modelle, die zur gleichen Smartphone-Welt gehören.

Wer mehr wissen möchte: In einem eigenen Beitrag stelle ich euch einige der interessantesten Modelle in Wort und Bild vor!

HIER FINDEST DU DEINE NÄCHSTE SMARTWATCH:

Merkmale und Kaufkriterien

Das erste Kriterium ist in vielen Fällen das eigene Smartphone. Welche Smartwatches arbeiten damit zusammen (und wie gut funktioniert das)? Ist das geklärt, gibt es viele weitere Kriterien, die jeweils sehr individuell sind:

  • Design: Möchte ich eine sportliche oder eine elegante Uhr? Möchte ich die Armbänder austauschen können und wie viel Auswahl brauche ich da? Darf’s ein bisschen „geekig“ aussehen? Soll es so tun, als sei es eine teure Uhr, obwohl es keine ist? Soll es eine teure Uhr sein, die tatsächlich hochwertig verarbeitet ist?

  • Preis: Was ist mir der Spaß wert? 150 Euro? 1.500 Euro? 15.000 Euro? Alles ist möglich.

  • Größe: Was passt zu meinem Handgelenk? Wie ist mein persönlicher Geschmack, was sehe ich selbst als „passend“ an? Die Meinungen gehen hier weit auseinander.

  • Gewicht: Bin ich an schwere Armbanduhren beispielsweise mit Edelstahlarmband gewöhnt? Hatte ich lange gar keine?

  • Akkulaufzeit: Ist es okay, wenn ich die Uhr jede Nacht aufladen muss? Will ich eine, die länger durchhält?

  • Funktionen: Brauche ich eine große Auswahl an Apps? Soll die Uhr auch als Fitnesstrainer dienen? Brauche ich GPS und Pulsmesser? Will ich sie gelegentlich als Zweithandy nutzen?

Aus meiner Sicht gilt: Es gibt nicht die eine, „beste“ Smartwatch. Was die beste Smartwatch ist, bestimmt jeder für sich selbst. Schließlich sind wir alle Individuen.

Die LG Watch Urbane LTE ist eine der wenigen Smartwatches mit eingebautem Mobilfunk. (Foto: LG) LG Watch Urbane LTE

Besondere Features

Alle Smartwatches sind kleine Gadgets fürs Handgelenk. Aber was sie können und wie funktionieren, ist oftmals unterschiedlich. Hier einige besondere Features, die man nicht überall findet:

  • Touchscreen: Okay, die meisten Smartwatches haben einen Touchscreen. Die Pebble nicht, sie setzt auf drei Tasten an der Seite zur Navigation. Und die Apple Watch setzt zusätzlich auf ein Drehrad („Digital Crown“) an der Seite, damit die Finger nicht im Weg sind und die Inhalte abdecken. Bei Samsungs Gear S2 wiederum dreht man den Rand des runden Displays für manche Aufgaben.

  • GPS: Interessant ist das beispielsweise für Sportler. Sie wollen nicht unbedingt ihr Smartphone mit auf einen Lauf nehmen und trotzdem genau erfassen können, wo ihre Strecke langgeführt hat. Die Apple Watch übrigens kann nach einer Kalibrierungsphase auch ohne GPS den zurückgelegte Weg recht genau erfassen, wie Tests gezeigt haben.

  • Pulsmesser: Ebenfalls für Sportler interessant oder allgemein für gesundheitsbewusste Menschen. Während zum Beispiel Bewegungssensoren in Smartwatches sehr verbreitet sind, ist ein Pulsmesser erst bei neueren Modellen und auch hier nicht immer zu finden.

  • Mobilfunk: Die wenigsten Smartwatches haben derzeit eine eigene Mobilfunkverbindung. Stattdessen benötigen sie ein WLAN oder ein Smartphone in erreichbarer Nähe als Brücke ins Netz.

Die wichtigste Frage überhaupt: rund oder eckig?

Man mag es kaum glauben, aber um genau diese Frage gibt es die hitzigsten Diskussionen. Der Grund ist einfach: Viele klassische Armbanduhren haben ein rundes Gehäuse. Das ergibt auch eine Menge Sinn, denn eine Uhr ist nun einmal traditionell kreisförmig. Das Problem ist allerdings, dass die Anzeige der Uhrzeit für Smartwatches nur eine Funktion unter vielen ist. 

Für fast alle Inhalte neben der Uhrzeit aber ist ein eckiges Display besser geeignet. Texte passen nun einmal besser in Rechtecke, ebenso Listen und auch auf einer Landkarte sieht man mehr.

Letztlich kommt es also darauf an, wofür man seine Smartwatch nutzt und wie wichtig einem der Look eines runden Gehäuses ist. Ich persönlich habe meine Zweifel, dass eine runde Smartwatch auf Dauer eine gute Idee ist. Es macht sich gut in Werbefotos. Es sorgt für einen ersten „Wow“-Effekt. Aber ich glaube, es schränkt die Usability ein. Wir werden erleben, wohin die Reise geht. Mir tun allerdings die App-Entwickler leid, die auf Android Wear setzen: Ihre Designs müssen nicht nur auf unterschiedlich großen Displays funktionieren, sondern sowohl im eckigen als auch runden Rahmen einwandfrei nutzbar sein.

Apple positioniert seine Smartwatch auch als modisches Accessoire, so wie hier dieses Modell in Zusammenarbeit mit Hermès. (Foto: Apple) Apple Watch Hermès

Wozu brauche ich eine Smartwatch doch gleich?

Gute Frage! Ein paar mögliche Antworten:

  • Um die Uhrzeit vom Handgelenk abzulesen. Ist es nicht unglaublich, was der technische Fortschritt möglich macht? Die Uhrzeit! Am Handgelenk! Ablesen! Warum ist da noch keiner vorher drauf gekommen. Ähem. Aber mal das Sarkasmus-Schild beiseite gelegt: Wir sind heutzutage natürlich von etlichen Uhren umgeben. Ich sitze gerade am Laptop und muss nur in die rechte obere Ecke des Bildschirms schauen. Gucke  ich nach links, hängt dort eine Uhr an der Wand. Und ansonsten habe ich halt mein Smartphone in der Tasche. Ja, alles richtig. Und trotzdem gibt es Situationen, in denen man sich freut, einfach kurz aufs Handgelenk blinzeln zu können. Wobei es eine Sache zu bedenken gilt: Das geht längst nicht mit allen Smartwatches so einfach. Die Apple Watch beispielsweise schaltet ihr Display komplett ab und reagiert nur auf eine bestimmte, deutliche Bewegung mit dem Handgelenk. Alternativ muss man sie antippen. Andere wie die Pebble und viele Android-Wear-Uhren zeigen die Zeit hingegen ständig an.

  • Um das Smartphone in der Hosen-, Jacken- oder Handtasche lassen zu können. Ich persönlich lasse nur sehr wenige Benachrichtigungen von Apps zu. Andere sind da großzügiger. So oder so gilt: Mit der Smartwatch sieht man im Bruchteil einer Sekunde, was für eine Nachricht hereingekommen ist. Ja, das ist eine Erste-Welt-Problem. Dennoch: Dieser Komfortgewinn ist nicht zu unterschätzen.

  • Als potenziell revolutionäres Gerät. Ich bin gespannt, welche neuen Anwendungen sich entwickeln werden. Das gilt vor allem dann, wenn Smartwatch-Apps mehr sind als ein Anhängsel einer Smartphone-App. Der automatische Assistent Google Now macht für mich beispielsweise sehr viel mehr Sinn am Handgelenk als in der Hosentasche. Er kann mich so sehr viel einfacher auf eine (hoffentlich) wichtige Information hinweisen.

  • Als digitalen Fitnesscoach. Ob man nun Sportler ist oder einfach gesünder leben will: Smartwatches können dabei helfen, fitter zu werden. Wem es nur darum geht, fährt aber eventuell mit einem Fitnesstracker besser. Die sind nicht nur günstiger, sondern oftmals auch widerstandsfähiger. Denn was nützt eine Smartwatch als Fitnesscoach, wenn sie beispielsweise nicht beim Schwimmen dabei sein kann?

Ehrlich: Ich glaube nicht, dass diese Punkte bedeuten, dass jeder eine Smartwatch „braucht“. Schon gar nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Aber letztlich ist es doch so: Wir „brauchen“ auch keinen Geschirrspüler und trotzdem würde kaum jemand darauf verzichten wollen. Wenn man sich einmal an den zusätzlichen Komfort gewöhnt hat, gibt man ihn nicht so leicht wieder her. Solche Beispiele ließen sich noch viele finden.

Und trotzdem glaube ich, dass wir mehr und mehr Smartwatches sehen werden. Solltest du wissen wollen, welche Smartwatch-Persönlichkeit du bist, habe ich ebenfalls etwas parat: Ich charakterisiere für euch die wichtigsten Typen von Smartwatch-Besitzern. Achtung: Nicht ganz ernst gemeint.

HIER FINDEST DU DEINE NÄCHSTE SMARTWATCH: