Die HP-01 von Hewlett-Packard war 1977 die erste Taschenrechner-Armbanduhr der Welt. (Foto: Forgemind ArchiMedia, Flickr.com. Lizenz: CC BY 2.0) Taschenrechner-Armbanduhr HP-01 von Hewlett-Packard

Die kuriosen U(h)rahnen der Smartwatch

Der aktuelle Smartwatch-Hype startete 2013, aber die Idee ist viele, viele Jahre älter. Es ist erstaunlich, was man alles findet, wenn man einmal die Zeit zurückdreht (ha!). Selbst Touchscreens, drahtlose Verbindungen, Apps oder Kameras gab es schon. Natürlich war das technisch alles sehr viel bescheidener. Sicherlich hat das kaum jemand gekauft. Aber kurios und interessant ist es dennoch. Kommt doch mal eben mit auf einen Ausflug in die Computer-Antike...

Steve Manns „Wrist Computer“: Die erste Linux-Smartwatch. (Foto: Stevemannwristcomp.jpg von Wikimedia Commons. Lizenz: CC BY-SA 3.0) Steve Manns „Wristcomputer“: Die erste Linux-Smartwatch.

Also: 1982 konnte die Pulsar NL C01 24 Ziffern abspeichern. 24! Gleichzeitig! Okay, ich merke schon: Ihr seid nicht beeindruckt. Dann vielleicht die Seiko Data 2000: Für sie gab es ein externes Keyboard (!), das drahtlos (!!) via elektromagnetischer Kupplung funktionierte. Ihr Name deutet nicht etwa auf das sagenumwobene Jahr 2000 hin, sondern auf die Zahl der Zeichen, die sie abspeichern konnte. Die Seiko D409 wiederum hatte eine eingebaute Miniaturtastatur für die Dateneingabe. 

Richtig spannend wurde es dann aber 1984. Da brachte Seiko das RC-1000 „Wrist Terminal“ auf den Markt. Dessen Besonderheit: Es konnte mit einem Computer verbunden werden und arbeitete mit so ziemlich jedem damals beliebten Rechner zusammen: Apple II, Commodore 64, IBM PC und einigen anderen.

Überhaupt die „RC-Serie“: Die RC-20 beispielsweise hatte einen Z-80 Microprozessor im Innern, dazu 8 KB ROM und 2 KB RAM. Ja, das sind KB, nicht etwa MB oder gar GB. Aber trotzdem ist das spannend, denn man muss das einmal im Verhältnis zur damaligen Technik sehen. Beim C64 waren von den namensgebenden 64 KB beispielsweise 39 KB effektiv nutzbar. Die RC-20 hatte dabei ein winziges Display mit gerade einmal 42 x 32 Pixel, dafür aber war es bereits ein Touchscreen.

Ein weiterer Meilenstein ist die Timex Data-Link von 1994. Sie konnte drahtlos mit einem PC kommunizieren – per blinkendem Display. Auf diese Weise konnte man beispielsweise Kalendereinträge und Kontaktdaten übertragen.

Die erste Armbanduhr mit Linux zeigte 1998 der Wearable-Pionier Steve Mann. Das ist der Herr, der sich eine Art selbstgebautes Google Glass hat implantieren lassen. Zwei Jahre später zeigte IBM ebenfalls eine Linux-Uhr. In späteren Ausführungen hatte es sogar Beschleunigungssensoren, einen Vibrationsmotor und einen Fingerabdrucksensor eingebaut. Gemeinsam mit Citizen stellten sie später das mit Linux laufende „WatchPad“ vor. Es hatte einen Touchscreen mit einer Auflösung von 320 x 240 Pixeln. Es hatte bereits eine Kalenderapp und Bluetooth sowie 16 MB Flash-Speicher. Sie sollte für 399 US-Dollar das Stück an Studenten und Geschäftsleute verkauft werden.

Und bereits 1999 hatte Samsung das erste Armbanduhr-Handy namens SPH-WP10 gezeigt. Das war klobig, hatte ein winziges Display und gerade einmal 90 Minuten Gesprächszeit. Aber es ist das erste seiner Art. 

Ziemlich dicht an so manchem heutigen Smartwatch-Modell war der Wrist PDA von Fossil. Er wurde 2003 vorgestellt und lief mit dem damals verbreiteten Palm OS. Zum Bedienen benötigte man allerdings zwingend den mitgelieferten Mini-Stylus. Letztlich wurde das Gerät zwei Jahre später wieder vom Markt genommen.

Und nicht zu vergessen: Microsofts „SPOT“ von 2004. Ihr Projekt namens „Smart Personal Object Technology“ war dabei nicht nur für Wearables gedacht, sondern auch für Haushaltsgeräte. Sie sollten über diese Plattform „smart“ werden. Eine Idee, die uns über zehn Jahre später noch immer beschäftigt…

Es gibt sicherlich noch viele weitere Beispiele. Man schaue sich dazu einfach mal die Rubrik „Nerdwatch“ bei pocketcalculatorshow.com an. Da finden sich Armbanduhren mit eingebauten Radioempfängern, Computerspielen und natürlich jede Menge Taschenrechner!

Aber eines ist hoffentlich deutlich geworden: Viele Ideen gab es schon seit vielen Jahren oder gar Jahrzehnten. Das soll die Leistung der heutigen Ingenieure gar nicht schmälern. Letztlich kommt es eben immer darauf an, dass man aus seinen Visionen auch Produkte macht, die Menschen kaufen und nutzen wollen.

SMARTWATCHES DER AKTUELLEN ZEIT: